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Einleitung in die beiden Petrusbriefe

Die beiden Petrusbriefe zählen zu den sieben sogenannten katholischen Briefen. Sie wurden neben den 13 paulinischen Briefen und dem Hebräerbrief in den neutestamentlichen Kanon aufgenommen. Zu den katholischen Briefen zählen neben den Petrusbriefen, die drei Johannesbriefe, die Briefe des Judas und des Jakobus. Die Bezeichnung katholisch bedeutet allgemein, d. h. die Briefe waren für eine breite Leserschaft gedacht. Vergleiche dagegen Paulus, der immer an eine bestimmte Gemeinde oder Person geschrieben hat.

Der Begriff "katholische Briefe wird bereits von Eusebius in seiner Kirchengeschichte verwendet (Eusebius, Hist Eccl II, 23, 24)

 

Verfasser

 Beide Briefe beginnen mit: Petrus, ein Apostel Jesu Christ (1Petr 1,1) und Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi (2Petr 1,1). Damit werden deutlich beide Briefe dem aus den Evangelien bekannten Jünger Petrus zugeschrieben.

Bis vor ca. 200 Jahren stand die Autorschaft des Apostels Petrus beim 1. Brief ausser Frage. Wie in 1,1 als Absender angegeben, galt er als der Verfasser des Briefes.

Beim 2. Brief ist die Verfasserfrage schon rd. 1.600 Jahre alt. Bereits Eusebius schreibt in seiner Kirchengeschichte, dass es Stimmen gibt, die den 2. Petrusbrief als „Pseudepigraph“ bezeichnen. Er selbst hat jedoch Petrus als Verfasser akzeptiert.

 ich wenn wir davon ausgehen, dass der Apostel Petrus der Verfasser der beiden Briefe war, ist nicht unbedingt darunter zu verstehen ist, dass er die beiden Briefe selbst (eigenhändig) geschrieben hat. Es ist ohne weiteres möglich, dass er einen Schreiber beauftragt hat. Dabei muss er nicht unbedingt wörtlich diktiert, sondern nur eine „Inhaltsangabe“ gegeben haben. Die Ausformulierung konnte er dem Schreiber überlassen.

Zum Schluss des ersten Briefes (5,12f) werden zwei Mitarbeiter erwähnt: Silvanus und Markus.

Markus (mit Zunamen Johannes) ist uns aus der Apg bekannt. Paulus hat es abgelehnt ihn bei seiner zweiten Missionsreise mitzunehmen, da dieser ihn während der ersten verlassen hatte. Später hatte er ihn wieder in seinem „Mitarbeiterstab“. 

Markus ist der Verfasser des Markusevangeliums. Dies wiederum sind laut Papias Nachschriften von Reden / Predigten des Petrus.

Vergleicht man jedoch das Mk und die Petrusbriefe fallen größere stilistische Unterschiede auf. Deshalb ist es nicht wahrscheinlich, dass Markus die Briefe oder einen davon geschrieben hat.

Silvanus dagegen, identisch mit dem an anderen Stellen genannten Silas hat die notwendigen Sprachkenntnisse, so dass es kein Problem ist, ihn als den Schreiber des ersten Briefes anzusehen (siehe 5,12). 

Silvanus (lat) / Silas (aram): Apg 15,22ff, 40; 16,19ff; 17,4ff; 18,5; bei Paulus: 1Thess 1,1; 2Thess 1,1; 2Kor 1,19

Silvanus war zusammen mit Judas (Barsabbas) der Überbringer des vom Apostelkonzil verfassten Sendschreibens (Apg 15,25-27), hatte die Bezeichnung Prophet (Apg 15,32), war Begleiter des Paulus bei dessen zweiter Missionsreise (15,40). In Beröa, Athen, Thessalonich und Korinth treffen wir in wieder (2Kor 1,19); zuletzt hier bei Petrus.

 Als Begründung der Ablehnung der Verfasserschaft Petrus’ werden oft die folgenden drei Gründe genannt. 1. Der Brief ist voll von paulinischem Gedankengut, das aber nur unvollständig. 2. hätte der Apostel Petrus den Brief geschrieben, müssten persönliche Erinnerungen an seine Zeit mit Jesus erwähnt werden und 3. werden auf Ereignisse Bezug genommen, die erst nach der Zeit des Petrus stattfanden, z. B. Christenverfolgungen. 

Zu 1. Es ist falsch von „paulinischer Theologie“, „petrinischer Theologie“, „johannäischer Theologie“ oder einer anderen Theologie zu sprechen. Denn Theologie ist, wie der Name sagt, „Lehre von Gott“. Diese Lehre von Gott kann, wenn sie richtig sein will, nicht in verschiedene Theologien aufgespaltet werden. Jede biblische Theologie kann nur von dem einzigen Gott, dem Gott Israels, zeugen, gemäß dem Bekenntnis: Höre Israel, der Herr dein Gott ist ein einziger Gott.

Deshalb muss eine „paulinische", „petrinische“ oder sonstige Theologie mit der Gesamtaussage der Bibel übereinstimmen.

Welche Schwerpunkte angesprochen werden, bestimmt der jeweilige Schreiber.

Zu 2. Petrus legt in seinen beiden Briefen keine Autobiografie vor, sondern hat ganz bestimmte Anliegen. Diese spricht er an und behandelt sie im biblischen Kontext. Außerdem gibt es mehrere Stellen, die an eine persönliche Bekanntschaft mit Jesus erinnern.

Zu 3. Bei genauerer Prüfung ist auch dieser Punkt nicht haltbar. Ausführliche Informationen darüber finden sich in meinem wissenschaftlichen Kommentar der Petrusbriefe.

 

Generelles zur Verfasserfrage

Heute werden die beiden Petrusbriefe gerne als Pseudepigraphen bezeichnet. Mit der Begründung, dass es zur damaligen Zeit üblich war ein Schreiben unter einen anderen, prominenten Namen zu verfassen, um seinem Anliegen / Brief usw. mehr Gewicht zu verleihen.

Ich habe jedoch keinen stichhaltigen Beleg dafür gefunden, dass dies allgemein üblich gewesen war. 

Vergleicht man die bekannten pseudepigraphischen Schriften (Apokalypse des Mose, Henoch, Oden Salomos, Thomasevangelium u.v.m.) fällt der qualitative Unterschied zu den biblischen Schriften auf.

Auch müssen wir beachten, woher die Spätdatierung mancher biblischer Schriften kommt. Stellvertretend sei nur genannt: Julius Wellhausen und Adolf von Harnack. Ihre Einstellung war (vereinfacht ausgedrückt): So wie es in der Bibel, bzw. in der Überlieferung steht, kann es nicht gewesen sein. Hier muss der menschliche Verstand entscheiden, was richtig ist und was nicht. Denn ein eingreifender und lenkender Gott ist unwissenschaftlich, weil nicht beweisbar und damit irrelevant für die Erforschung der Bibel und des Christentums.

 Abschließend sei Johann Tobias Beck zitiert, der in seinem Kommentar zum 2. Petrusbrief schreibt: Indem der Verfasser sich so bestimmt als den Apostel Petrus an die Spitze des Briefes stellt, bleibt keine Mittelstraße zwischen ihm und einem Betrüger, wobei es sich nicht nur fragt, ob ein solcher schriftstellerischer Betrug in den Augen von Christen eines gewissen Zeitalters für unschuldig galt, sondern ob ein Schriftsteller, der, wie der unsrige, mit solcher geistigen und sittlichen Schärfe und Charakterfestigkeit in seinem ganzen Briefe sich ausspricht, einer solchen sittlichen Abgestumpftheit fähig ist. Wir präsumieren vorerst, daß ein ehrlicher Mann redet.

 

 

Literatur

Beck, Johann Tobias: Petrusbriefe Ein Kommentar. Brunnen-Verlag Gießen 1995; Reprint der Erstauflage von 1896 bei C. Bertelsmann, Gütersloh

Bibel von A - Z, Biblische Taschenkonkordanz, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Eusebius, Kirchengeschichte

Feldmeier, Reinhard: Der erste Brief des Petrus, Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament 15/1; Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2005

Handkonkordanz zum griechischen Neuen Testament, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Jenni / Westermann: Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament, Verlag Chr. Kaiser, München

Lexikon für Theologie und Kirche, Herder-Verlag 1963 ff

Luther, Martin: Die Heilige Schrift, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

MacArthur, John: 1. Petrus. CLV, Bielefeld 2011

MacArthur, John: 2. Petrus und Judas. CLV, Bielefeld 2011 

Nestle, Kurt: Novum Testament Graece, Deutsche Bibelgesellschaft 1971

Peters, Benedikt: Der erst Brief des Petrus. CLV, Bieleld 2013

Peters, Benedikt: Der zweite Brief des Petrus und der Brief des Judas. CLV, Bielefeld 2013

Philo: De Sacrificiis Abelis et Caini

Preuschen, Erwin: Griechisch-Deutsches Taschenwörterbuch zum Neuen Testament, de Gruyter, Berlin 

Rienecker, Fritz: Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament, Brunnen, Gießen

LXX Septuaginta, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Elie Wiesel, Macht Gebete aus meinen Gedichten, Herder-Verlag, Freiburg

Wohlenberg, D. G.: Der erste und zweite Petrusbrief, Deichertsche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1923